Blogbeiträge > Traumaschleifen
Es gibt Momente, in denen wir glauben, etwas hinter uns gelassen zu haben. Wir haben uns mit der Vergangenheit auseinandergesetzt, gelernt, weiterzugehen – und doch passiert es: Ein bestimmter Blick, ein Wort, eine Situation, und plötzlich ist das Gefühl wieder da. Die Beklemmung in der Brust, das Herzrasen, der Kloß im Hals. Ein Zustand, der uns lähmt, ohne dass wir verstehen, warum.
Das ist eine Traumaschleife.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, von diesen unsichtbaren Mustern festgehalten zu werden. Lange bevor ich wusste, dass meine Vergangenheit mein Selbstbild und meine Ängste geprägt hatte, fühlte ich mich oft gefangen in Situationen, die mich klein hielten. Ich kämpfte mit sozialer Phobie, mit der Angst zu sprechen, mit der Panik vor Bewertung – in der Schule, im Studium, im Job. Ich kämpfte mit Verlustängsten, Existenzängsten und dem ständigen Gedanken, nicht gut genug zu sein. Die Angst, Fehler zu machen oder nicht den Erwartungen zu entsprechen, begleitete mich in vielen Lebensbereichen. Ich fühlte mich oft getrieben von dem Druck, immer mehr leisten zu müssen, um Sicherheit zu gewinnen – als wäre mein eigener Wert davon abhängig. Anpassung wurde zu einer Überlebensstrategie, doch egal, wie sehr ich mich anstrengte, das Gefühl von Unsicherheit blieb bestehen. Doch das war nicht die Wahrheit. Es war die Wiederholung alter Erfahrungen, die sich immer wieder in mein Leben drängte. Ein Kreislauf, den ich lange nicht verstand.
Eine Traumaschleife ist ein Zustand, in dem unverarbeitete Erlebnisse unser Leben im Hier und Jetzt beeinflussen. Sie entsteht, wenn unser Nervensystem durch vergangene Erfahrungen so geprägt wurde, dass es auf neue Situationen reagiert, als wären sie eine Bedrohung – auch wenn sie es nicht sind. Das kann bedeuten, dass wir in alltäglichen Momenten plötzlich von Gefühlen überrollt werden, die aus einer ganz anderen Zeit stammen. Angst, Hilflosigkeit, Scham, Erstarrung – als würde die Vergangenheit durch unseren Körper sprechen.
Diese Schleifen zeigen sich oft in Mustern:
Das Gefühl, immer wieder auf die gleichen Hindernisse zu stoßen – sei es in Beziehungen, im Job oder in der persönlichen Entwicklung.
Übermäßige Selbstkritik und das Gefühl, nie genug zu sein – ein innerer Dialog, der ständig fragt: "Warum kriegst du das nicht hin?"
Angst vor Bewertung und Zurückweisung – so tief verankert, dass sie unser Handeln einschränkt, ohne dass wir es bewusst bemerken.
Dauerhafter Stress und innere Anspannung – als wäre es nie wirklich möglich, sich sicher und entspannt zu fühlen.
Selbstsabotage in Momenten des Wachstums – weil Erfolg oder Veränderung sich fast "verboten" anfühlen.
Ich habe lange geglaubt, dass es reicht, einfach weiterzumachen. Dass ich mich nur genug anstrengen muss, um die Unsicherheit zu überwinden. Doch mit der Zeit wurde mir klar: Trauma ist nicht nur eine Erinnerung. Es lebt im Körper, in den Reaktionen, die wir nicht steuern können. Es zeigt sich im Unbehagen, in der Angst, in den über Jahre entstandenen Schutzmechanismen, die uns heute vielleicht mehr blockieren als schützen. Aber genau hier liegt der Schlüssel: Es ist möglich, aus diesen Schleifen auszusteigen.
Der erste Schritt zur Heilung ist nicht, sich zu „reparieren“. Es gibt nichts zu reparieren. Der Weg beginnt mit dem Verstehen. Mit der Anerkennung, dass das, was in uns wirkt, einen Grund hat. Und dass wir nicht in diesen Mustern gefangen bleiben müssen.
Selbstbeobachtung und Bewusstwerdung:
Erkennen, wann alte Wunden sprechen, anstatt blind auf sie zu reagieren.
Regulation des Nervensystems:
Lernen, sich selbst in Momenten der Überforderung zu beruhigen, um aus automatisierten Reaktionen auszusteigen.
Auflösung alter Überzeugungen:
Die Geschichten erkennen, die wir über uns selbst glauben – und sie hinterfragen.
Integration von Erfahrungen:
Anstatt vor der Vergangenheit wegzulaufen, ihr einen neuen Platz im Leben geben.
Traumasensibles Coaching oder Therapie:
Einen Raum schaffen, in dem sich diese Muster sanft lösen können – mit Unterstützung, die Halt gibt.
Ich bin nicht meine Geschichte. Und du bist nicht deine.
Was wir erlebt haben, mag unser Nervensystem geprägt haben – aber es muss nicht unser Leben bestimmen. Die Vergangenheit kann geheilt werden. Die Muster, die uns halten, können sich lösen. Und das Gefühl, nicht genug zu sein, kann ersetzt werden durch etwas anderes: Selbstvertrauen, Selbstwert, Selbstverbundenheit.
Die Reise aus der Traumaschleife beginnt nicht mit Kampf, sondern mit Verständnis. Mit dem Mut, hinzusehen. Und mit der Entscheidung, dass wir nicht in der Vergangenheit bleiben müssen.
Denn echte Freiheit beginnt nicht im Außen. Sie beginnt in uns.
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