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Wenn der Schatten der Kindheit nachwirkt –

Wie Entwicklungstrauma den Selbstwert prägt.

Die Spuren unserer Kindheit begleiten uns oft viel länger, als wir es wahrhaben möchten. Erfahrungen aus frühen Jahren prägen unser Selbstbild und beeinflussen, wie wir uns in der Welt bewegen – oft ohne, dass wir uns dessen bewusst sind. Jahrelang war mir nicht bewusst, dass meine ständigen Selbstzweifel, mein Perfektionismus und das Gefühl, nie genug zu sein, keine angeborenen Eigenschaften waren – sondern tiefe Spuren meiner Vergangenheit. Wie so viele Menschen, die in einem Umfeld aufgewachsen sind, das von Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit geprägt war – sei es durch fehlende emotionale Zuwendung, prägende Gewalterfahrungen, Missbrauch oder eine strenge, kontrollierende Erziehung – suchte ich meinen Selbstwert nicht in mir selbst, sondern im Außen: in Leistung, Anpassung und Anerkennung. Die Angst vor Ablehnung, ständige Verlust- und Existenzängste und das nagende Gefühl, nicht gut genug zu sein, wurden zu meinen ständigen Begleitern.

Wie Entwicklungstrauma den Selbstwert formt

Ein Entwicklungstrauma entsteht nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch wiederholte Erfahrungen, die das Nervensystem in einen Zustand von Unsicherheit versetzen. Dazu zählen Erfahrungen wie emotionale Vernachlässigung, Gewalt, Missbrauch oder ein strenger Erziehungsstil, die einem Kind das Gefühl nehmen können, bedingungslos angenommen und sicher zu sein. Wenn ein Kind nicht das Gefühl von bedingungsloser Annahme, Sicherheit oder emotionaler Beständigkeit erfährt, kann es kein stabiles Selbstwertgefühl entwickeln. Stattdessen entstehen Überlebensstrategien – Perfektionismus, Rückzug, ständige Selbstoptimierung oder das Gefühl, immer leisten zu müssen, um genug zu sein.

Ich habe lange nicht verstanden, dass mein Drang, alles richtig zu machen, nicht einfach eine persönliche Eigenart war, sondern der Versuch, Sicherheit in einer Welt zu finden, die sich unsicher anfühlte.

Der Zusammenhang zwischen Entwicklungstrauma und Selbstwert

Selbstwert ist nichts, das einfach da ist oder nicht. Er ist das Ergebnis der Erfahrungen, die wir über uns selbst gemacht haben. Wenn wir als Kind gelernt haben, dass wir erst „genug“ sind, wenn wir brav, angepasst oder leistungsfähig sind, dann bleibt diese Überzeugung oft unbewusst bestehen.

Die Folgen zeigen sich im Erwachsenenalter:

Ständiges Hinterfragen der eigenen Entscheidungen

Das Gefühl, nie wirklich gut genug zu sein – egal, wie viel man erreicht

Angst vor Ablehnung oder Konflikten

Perfektionismus als Schutzmechanismus

Die Unfähigkeit, eigene Bedürfnisse klar zu spüren oder zu äußern

Ich weiß, wie es sich anfühlt, in diesem Kreislauf gefangen zu sein – und ich weiß auch, dass es möglich ist, auszubrechen.

Schritte zur inneren Stabilität und Selbstakzeptanz

Ein geringer Selbstwert ist kein persönliches Versagen. Er ist eine Folge von Prägungen, die wir nicht selbst gewählt haben. Doch wir können wählen, wie wir damit umgehen.

Methoden aus der Traumatherapie, Selbstwert Coaching und Life Coaching helfen dabei, sich von alten Überzeugungen zu lösen:

Erkennen, dass wir mehr sind als unsere Vergangenheit – unsere Geschichte erklärt uns, aber sie definiert uns nicht.

Innere Kind-Arbeit – mitfühlend zu uns selbst werden und alte Verletzungen heilen.

Glaubenssätze transformieren – die alten Stimmen erkennen, die uns klein halten, und neue Überzeugungen entwickeln.

Den eigenen Wert spüren, anstatt ihn beweisen zu müssen.

Emotionale Sicherheit in uns selbst aufbauen, anstatt sie im Außen zu suchen.

Selbstwert wächst durch Verständnis und Annahme

Ich habe lange geglaubt, dass Selbstzweifel und Überforderung einfach Teil meiner Persönlichkeit sind. Bis ich gelernt habe, dass sie die Überbleibsel einer Vergangenheit sind, die ich nicht gewählt habe – aber die ich heute gestalten kann.

Der Weg, den ich gegangen bin, war nicht immer leicht, doch mit der Zeit wurde er klarer. Durch bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und eine wertschätzende Haltung sich selbst gegenüber kann sich der Blick auf das eigene Leben verändern. Es ist möglich, Erfahrungen zu integrieren, ohne sich von ihnen abhängig zu machen. Es ist möglich, sich von alten Mustern zu lösen. Und es ist möglich, den eigenen Wert nicht länger an Leistung oder Anerkennung zu knüpfen, sondern ihn in sich selbst zu finden.

Du bist nicht deine Vergangenheit. Du bist die Person, die aus ihr wachsen kann

Nathalie Grupp

Psychotherapie & Coaching nach dem Heilpraktikergesetz